Alpenüberquerung 2009

Mit dem Mountainbike über die Alpen (17.07.2009 – 25.07.2009)

Dieses Jahr realisierten wir den Traum eines jeden Mountain-Bikers – Eine Transalp mit dem Mountainbike von Nord nach Süd. Transalp – Dieses klangvolle Kürzel steht inzwischen als Synonym – nicht nur für eine Alpenüberquerung mit dem Mountainbike, sondern auch für eine moderne Art von Erlebnis und Abenteuer, von Selbsterfahrung und sportlicher Leistung, von Stressbewältigung und Harmonie mit der Natur und nicht zuletzt von Teamgeist.

Bereits im November 2008 begannen wir mit den Planungen für unsere Tour. Nach mehreren nächtlichen Sitzungen einigten wir uns schließlich auf die Tour von Ehrwald bis nach Riva am Gardasee. Die Strecke wurde detailliert geplant und anschließend auf das GPS-Gerät übertragen, das uns sicher über die Alpen navigierte. Neben der Streckenplanung war auch die Planung der Ausrüstung äußerst wichtig, da das gesamte Gepäck und Werkzeug im Rucksack mitgeführt werden musste. Hier war die Reduzierung auf das Nötigste zwingend, um das Gewicht von ca. 8-9 kg pro Person nicht zu überschreiten.

Am Freitag, den 17.07.2009 um 5:00 Uhr war es dann endlich soweit. Mit einem gemieteten Transporter und unserem Radkollegen Ralf als Chauffeur ging es auf nach Ehrwald. Die Wetterprognosen sahen allerdings für die ersten Tage nicht so freundlich aus. Für Samstag war sogar Schneefall bis 1500 m vorhergesagt! Dennoch starteten wir, nach einem ausgiebigen Frühstück, gut gelaunt gegen 10:00 Uhr zur ersten Etappe. Diese führte uns von Ehrwald nach Imst. Nach einer halben Stunde begann es tatsächlich zu regnen, was uns zwang die Regenkleidung anzuziehen. Doch bereits nach wenigen Kilometern klarte es auf und wir konnten die Regenjacken für den Rest der Tour ganz unten im Rucksack verstauen! Wir überquerten auf dem Panoramaweg den Fernpass in Richtung Imst. Nach einem sehr steilen Anstieg und anschließender Abfahrt erreichten wir gegen Nachmittag Imst. In Imst angekommen entschieden wir uns bis nach Imsterberg weiter zu fahren, um uns dort eine Unterkunft zu suchen.

Ein Blick aus dem Fenster am Samstagmorgen zeigte uns, dass der Wetterbericht tatsächlich Recht behalten hatte – Dauerregen und Schneefall zwangen uns unseren eingeplanten Karenztag schon jetzt zu nehmen. Es wäre sinnlos gewesen bei diesen Witterungs-verhältnissen in die schneebedeckten Berge zu starten. Durch diesen Ruhetag war es uns aber auch möglich uns von den Strapazen des ersten Tages zu erholen. Durch einen Besuch einer österreichischen Apotheke lernten wir das Regenerations-Wundermittel „Murmeltierölsalbe“ kennen, welches uns während der gesamten Tour immer wieder geholfen hat. Diesen Samstag verbrachten wir in angenehmer Atmosphäre in einer familiären Pension.
Am Sonntag, den 19.07.2009, strahlte die Sonne wieder. Nun ging es von Imsterberg über die Venetalm, wo der Hüttenwirt noch damit beschäftigt war den Schnee vom Vortag zu beseitigen, über Landeck zum Tagesziel nach Ischgl. Diese Tour zählte zu einer unserer Anspruchsvollsten. Knapp 3000 Höhenmeter und 80 km hieß es zu bezwingen. Auf Teils schwierigen Wegpassagen und auf den historischen Routen „Via Claudia“ und „Via Augusta“, die bereits von den Römern angelegt wurden, gelangten wir abends erschöpft ins sommerliche Ischgl. Hier fanden wir ein gutes Hotel, welches uns ein „Biker Special“, inklusive Wäscheservice, anbot, was wir gerne annahmen. Bei gutem Essen, freundlicher Bedienung und „einem“ kühlem Bier erholten wir uns von den Anstrengungen des Tages.

Montag, 20.07.2009. Gegen 9:00 Uhr ging es weiter hinauf zur Heidelberger Hütte. Heimatliche Gefühle wurden wach. Nach sehr steilem Anstieg zur Gampenalpe führte uns der Weg etwas flacher und steinig zur Heidelberger Hütte, wo wir uns für den Aufstieg zum 2608 Meter hohen Fimbapass bei einer Tiroler Knödelsuppe stärkten. Dies war auch erforderlich, da die nächsten 300 Höhenmeter nur schiebend zu bewältigen waren. Auf dem Gipfel erwartete uns dafür eine mehrere Kilometer lange traumhafte Abfahrt ins Tal Richtung Sur En in der Schweiz. Der zweite schwere Anstieg dieser Etappe führte uns in die berüchtigte Uina Schlucht. Auf dem gut fahrbaren, manchmal ziemlich steilen Schotterweg zur Alpe Uina ahnt man kaum, dass sich knapp dahinter eine der dramatischsten Schluchten der Alpen verbirgt. Um auf den dahinter liegenden Schlinigpass zu gelangen, muss man den, in die senkrechte Felswand gehauenen, maximal 1,3 Meter breiten und 600 Meter langen Steig überwinden. Äußerste Konzentration war hierbei notwendig, da der Pfad nur teilweise gesichert und es daneben 200 Meter senkrecht in die Tiefe ging. Auf dem Hochplateau überquerten wir die Grenze zu Italien und erreichten gegen 19:00 Uhr unser vorgesehenes Nachtquartier – die Sesvennahütte. Leider kamen uns schon einige Biker zuvor, so dass die Hütte vollständig ausgebucht war und wir gezwungen waren nach Schlinig weiterzufahren, um dort die Nacht zu verbringen. Im Nachhinein erwies sich dieser Umstand als großes Glück, da wir dort ein familiäres Hotel fanden, wo wir bestimmt ruhiger und komfortabler untergebracht waren, als im Schlaflager auf der Sesvennahütte.

Dienstag 21.07.2009. Nach ausgiebigem Frühstück starteten wir gegen 9:00 Uhr steil bergab ins schöne Vinschgau und fuhren durch das Münstertal Richtung Schweiz. In Santa Maria begann, nach kurzer Rast, der 17 km lange Aufstieg zum 2508 Meter hohen Umbrail Pass. Unterwegs begegneten wir einem Profi-Rennradteam, die regelrecht an uns „vorbeiflogen“. Hier wurde der Unterschied zwischen uns Amateuren und den Profis deutlich sichtbar. Oben angekommen entschieden wir uns, entgegen der Planung, auf der Passstraße nach Bormio zu fahren. Der geplante Weg über die Forcella di Forcola entpuppte sich als zum Teil nur knapp 30 cm breiter und nicht befestigter Wanderpfad. Das erschien uns dann doch zu gefährlich, da hier ein Sturz, der mehrere Meter in die Tiefe führen würde, der Tour ein jähes Ende bereitet hätte. Nach langer Abfahrt, durch zum Teil stockdunkle Tunnel, kamen wir in den bekannten Wintersportort Bormio. Hier fanden wir eine freundliche Fahrradwerkstatt, bei der wir unsere Materialschäden beheben und uns mit neuen Ersatzteilen ausstatten konnten. Da wir gut im Zeitplan lagen, entschieden wir uns kurzfristig die Etappe zu verlängern und nach Santa Caterina Valfurva weiterzufahren.

Am Mittwoch, den 22.07.2009, wieder bei herrlichem Sonnenschein, ging es direkt bergauf zum Gavia Pass. Gelegen in der Lombardei, verbindet er Bormio im Norden mit Ponte di Legno im Süden und ist 43 km lang. Der Gaviapass wird gelegentlich in anspruchsvolle Bergetappen des Giro d’Italia eingebunden und markiert dann oft den höchsten Punkt des Rennens, den Cima Coppi, an dem die meisten Bergwertungspunkte vergeben werden. Nach dem Gavia Pass stand uns noch eine weitere schwere Bergetappe bevor. Von Pezzo ging es auf der uralten Militärstraße zum Forcella di Montozzo. Die konstante Steigung der Militärstraßen beflügelte uns; jeder tritt in seinem Tempo und findet das Gleichgewicht zwischen Mühe und Spaß. Das ist genau die Grenze, die so selten gefunden werden kann und die über eine schöne oder eine qualvolle Auffahrt entscheidet. Nach kurzer Pause und einer kleinen Stärkung in der Rifugio Bozzi, einer kleinen gemütlichen Hütte, machten wir uns wieder auf den Weg. Eine sehr steile Rampe führte die letzen 200 Meter hinauf zur Montozza Scharte. Im oberen Teil, durch das traumhafte Hochtal Val di Montozzo, gut zu fahren, wird der Weg, als der Staussee in Sichtweite kommt, krasser, steiler, geröllhaltig und schließlich nicht mehr fahrbar. Nach längerem Schieben erreichten wir gemeinsam die Staumauer und sind, kaum auf der Teerstraße angekommen, in wenigen Minuten in Pejo Fonti (1393 Meter) – unserem anvisierten Tagesziel. Eine Unterkunft ist schnell gefunden und zum Abendessen gingen wir in die Ortsmitte in eine Pizzeria, wo wir den Tag ausklingen ließen.

Für Donnerstag, den 23.07.2009, war eine etwas kürzere Tour geplant. Nach kurzer Abfahrt ging es im Tal am Fluss entlang Richtung Dimaro. Hier verließen wir die Straße und fuhren auf einem schönen Wanderweg in das 1780 Meter hoch gelegene Madonna di Campiglio. Zum ersten Mal auf dieser Tour konnten wir vor 16:00 Uhr vom Rad absteigen und genossen den Rest des Tages bei sommerlichem Wetter in der Innenstadt von Madonna di Campiglio.

Freitag 24.07.2009. Der letzte Tag unserer Tour. Wir konnten den Gardasee beinahe schon riechen. Doch zuvor mussten wir noch die Brenta, eine Berggruppe der südlichen Kalkalpen in Norditalien, durchqueren. An diesem Tag trafen wir auf viele andere Alpenüberquerer, die auf dem Weg zum Gardasee waren. Nach etlichen Höhenmetern, die zum Teil nur schiebend bewältigt werden konnten, kam der Gardasee immer näher. Bei hochsommerlichen Temperaturen waren wir froh, dass uns die letzte Teilstrecke ausschließlich durch kühle Wälder führte. Plötzlich lag der Gardasee zu unseren Füßen. Nun ging es nur noch bergab nach Riva. Erschöpft, aber stolz erreichten wir die Ortseinfahrt von Riva de Garda. Nachdem wir diesen denkwürdigen Augenblick in einem Gruppenbild festgehalten hatten, machten wir uns auf, um unseren Radkollegen Raimund, der sich freundlicherweise bereit erklärt hatte uns abzuholen, am See zu treffen. An der Promenade von Riva feierten wir bei einigen kühlen Bieren unsere erfolgreiche Alpenüberquerung, die wir alle ohne Verletzungen und größere Pannen überstanden hatten. Insgesamt legten wir in diesen sieben Tagen eine Strecke von 420 km und 14.300 Höhenmeter ausschließlich mit dem Mountainbike zurück. Im 3 km entfernten Arco hatte unser Raimund bereits ein erstklassiges Hotel für uns besorgt, in welchem wir den Abend ausklingen ließen.

Am Samstag, den 25.07.2009 stand die Heimreise auf dem Programm. Die fünf Räder und unser gesamtes Gepäck wurden im bzw. auf dem Auto verstaut und schon ging es zurück in Richtung Tairnbach, wo wir gegen 17:00 Uhr schließlich ankamen.

Unser besonderer Dank gilt unseren Chauffeuren Ralf Schahn und Raimund Lietzau, die uns sicher zum Start gebracht bzw. vom Ziel abgeholt haben.

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Teilnehmer Alpenüberquerung 2009: Johannes Bechtold, Ralf „Fips“ Bender, Uwe Benz, Bernd Filsinger, Norbert Filsinger

Weitere Bilder gibt es hier.

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