Die soziale Kraft der Sportvereine wird täglich gelebt – auch in Zeiten von Corona

Die Sportgemeinschaft Tairnbach betreibt beispielhafte Breiten- und Jugendarbeit

In der hitzig geführten Debatte um die Einführung von sog. Geisterspielen in der Fußball-Bundesliga geriet ein Thema aus dem öffentlichen Fokus, der Breitensport. Hierzulande sind rund 27 Millionen Mitglieder in knapp 90 000 Vereinen organisiert. Wenn also in diesen Tagen schon von der gesellschaftlichen Bedeutung des Profi-Fußballs in Corona-Zeiten gesprochen wird, gilt das umso mehr für das Vereinsleben in der Breite. Beispielhafte Arbeit leistet seit über 90 Jahren in dieser Beziehung die Sportgemeinschaft Tairnbach. Heute zählt der Verein über 700 Mitglieder bei einer Einwohnerzahl von rund 1250. „Die soziale Kraft der Sportvereine ist keine Märchenerzählung der Ehrenamtlichen. Sie wird jeden Tag millionenfach gelebt“, so Reinhold Sauer, langjähriger Vorstand der SG Tairnbach. „Unser Verein gibt seinen Mitgliedern Struktur, Bewegung und Gemeinschaft. Besonders für Kinder und Jugendliche ist der Verein lebenswichtig, gerade in diesen schwierigen Zeiten.“

Aus den genannten Gründen war es jetzt wichtig, dass nun der Sportbetrieb wieder behutsam gestartet wurde. Das Zauberwort dabei lautete „behutsam“. Immer stellte man sich bei den Verantwortlichen die Frage, in wieweit der Infektionsschutz beim gemeinsamen Sporttreiben gewährleistet werden kann. Nach der Corona-Pause begann Ende Juni das Training in den verschiedenen Sparten, nachdem man ein Raum-, Hygiene- und Trainingsgruppenkonzept für die Sporthalle und die Sportplätze erarbeitet hatte. Schon seit vielen Jahren bietet die SG eine breite Palette an sportlichen Aktivitäten: Fußball, Turnen, Volleyball, Radfahren. In der durch Corona verkürzten Saison 2019/20 schafften die Fußballer unter Trainer Ralf Mayer und Co-Trainer Mario Keßler den Aufstieg in die Kreisliga B. Mit 33 Punkten aus 14 Spielen und einem sensationellen Torverhältnis von 69:12 landete man mit einem Punkt Rückstand auf dem zweiten Tabellenplatz. Einen hohen Stellenwert besitzt bei der SG die Jugendarbeit mit ihrem Jugendleiter Aaron Fuchs. So spielen nach der Corona-Zwangspause wieder die Bambinis unter der Anleitung von Christian Kubin und Simon Fuchs auf dem grünen Rasen. Für die über Achtjährigen gibt es eine Kooperation mit dem TSV Rettigheim, dem 1. FC Mühlhausen und der SG Dielheim, wobei Steffen Siegele die C-Jugend in Rettigheim trainiert. Doch auch jetzt heißt die Losung auf dem Weg zurück ins Training und ins Spiel: Mit Hygiene und Abstand dem Virus keine Chance lassen! Bei den „Alten Herren“ zählt „die gute Laune und das Interesse an einem fairen Kick“. Aufnahmebeschränkungen gibt es keine, alle sind herzlich willkommen, „egal ob 33 oder 60, ein paar Pfunde zuviel oder zu wenig, begnadeter Ballkünstler oder stolz auf einen Spitzkick.“

Die Turnabteilung ist die größte Abteilung der SG Tairnbach. Dies spiegelt sich im umfangreichen Angebot für Jung und Alt wider. Allein in der Tairnbacher Turnhalle trainieren vier Kinderturngruppen, die Zwei- bis Vierjährigen mit ihren Eltern, die Kindergartenkinder sowie zwei Gruppen von Grundschulkindern. Das Eltern-Kind-Turnen unter der Leitung von Christine Mayer, Bettina Benz und Bianca Schaa ist ein Angebot für Eltern, aber auch Großeltern, mit ihren Kindern bzw. Enkeln einerseits als helfende Hand, andererseits auch selbst aktiv zu sein. Mit diesem Angebot werden die Kinder schon früh zur sportlichen Betätigung animiert, was in zwei Richtungen zielt: Neben dem gesundheitlichen Aspekt ist den Verantwortlichen die soziale Komponente besonders wichtig. Denn der Kontakt zu anderen Kindern und Eltern, das gemeinsame Kennenlernen einer neuen Umgebung könnten dazu beitragen, gegenseitige Rücksichtnahme zu vermitteln sowie Selbstvertrauen und Sozialverhalten zu stärken. In der Kinderturngruppe, geleitet von Gudrun Michalek, lernen die Kleinen spielerisch die Verbindung von Bewegung und Kreativität. Dazu werden Rhythmusgefühl, Beweglichkeit und Feinkoordination verbessert. Diese Förderung wird mit Kindern im Grundschulalter von Alexandra Braun und Selina Roth fortgeführt. Bei der „Fördergruppe Geräteturnen“ unter Anleitung von Fabienne Wagner, Angelina Michalek und Paul Michalek wird bereits an den Großgeräten wie Reck, Barren, Boden, Stufenbarren, Schwebebalken und Sprunggeräten trainiert. Auch in der Mühlhäuser Kraichgauhalle ist die SG mit drei Kinderturngruppen zwischen eins und sechs Jahren, die von Inge Grimmer und Sabine Klose trainiert werden, präsent. Am meisten betroffen von den Corona-Einschränkungen waren sämtliche Turngruppen, die erst nach den Sommerferien wieder Trainingsstunden anbieten können – und das unter Vorbehalt.

Ebenso vielseitig ist das Angebot für Erwachsene, denn hier findet wirklich jeder das passende Fitnessprogramm. Allein in acht Gruppen sorgt man für die Erhaltung der Gesundheit und der Kontakte. Die Showtanzgruppe mit ihren Trainerinnen Marion Egenlauf und Kimberly Becker setzt sich aus Frauen zwischen 15 und 30 Jahren zusammen. Die Auftritte der Tanzgruppe bilden die Höhepunkte bei der Prunksitzung, beim Sportfest und bei der Winterfeier. Das abwechslungsreiche Programm der „Fitnessgruppe“ unter der Leitung von Petra Hamm besteht aus einem funktionellen Ganzkörpertraining, teils werden auch Kleingeräte eingesetzt. Die Wirbelsäulengymnastik mit Gabi Benz bietet ein vielseitiges und ganzheitliches Angebot, um die Beweglichkeit, Kraft, Gleichgewicht und Koordination zu fördern. Das Angebot „Bewegt in den Morgen“, ebenfalls geleitet von Gabi Benz, zielt in die gleiche Richtung mit dem Schwerpunkt „Entspannen und Entschleunigen“. Unter dem Motto „Sport ist gesund – gemeinsam bewegen macht Spaß“ trifft sich die Gruppe der Frauengymnastik. Geleitet wird sie von Trudel Maier.

Die Bewegungsstunde für Senioren ebenfalls mit Trudel Maier will durch regelmäßigen Sport und Bewegung auch im Alter eine hohe Lebensqualität erhalten. „Diese hängt in hohem Maße mit der körperlichen und geistigen Fitness zusammen. Eng verbunden damit ist die eigene Mobilität“, so Trudel Maier, Übungsleiterin für Präventionssport. Speziell für Männer gibt es eine Fitnessgruppe, die unter Anleitung von Ralf Kau in lockerer Atmosphäre Kraft, Koordination und Ausdauer schult. Schließlich bietet die SG ein gezieltes Sportprogramm für die Krebsnachsorge an, das von Petra Hamm geleitet wird, um die eingeschränkte Beweglichkeit und allgemeine Leistungsfähigkeit zu verbessern und wieder Freude an der Bewegung wecken soll. Die Volleyballerinnen und Volleyballer treffen sich zweimal in der Woche zum Training entweder in der Halle oder auf dem Beach-Platz. Seit Juli wird – selbstverständlich unter Einhaltung der Corona-Regelungen – wieder trainiert. Schließlich gibt es bei der SG noch eine Abteilung „Radfahren“, die sich neben den festen Trainingszeiten auch während des gesamten Jahres je nach Wetter und Laune zu spontanen Terminen trifft. Zusätzlich gibt es jedes Jahr eine mehrtägige Tour. Das Training wurde hier bereits im Juni wieder aufgenommen. Dass das Radfahren in Tairnbach schon immer beliebt war, verrät auch die Vereinschronik, wurde doch im April 1936 der „Rad- und Sportverein Tairnbach“ gegründet.

Die SG Tairnbach betreibt seit 60 Jahren eine mit viel Eigenarbeit errichtete vereinseigene Sporthalle, welche heute auch dem Schulsport und kulturellen Veranstaltungen anderer Vereine dient. In dieser konnte mit dem gebührenden Corona-Abstand die diesjährige Jahreshauptversammlung durchgeführt werden. Hier kam es auch zu einem Wechsel in vielen Führungsfunktionen. Ausgeschieden sind: Reinhold Sauer (11 Jahre Vorsitzender, 5 Jahre Vorstandsteam), Helga Groß (6 Jahre stellvertretende Vorsitzende, 5 Jahre Vorstandsteam), Andrea Götzmann (17 Jahre Schriftführerin), Andrea Mülbaier (22 Jahre Leiterin der Volleyballabteilung, 4 Jahre Vorstandsteam), Johannes Bechtold (13 Jahre Abteilungsleiter Radfahren, 10 Jahre Organisator des Sommerlaufs), Rüdiger Filsinger (28 Jahre Verwaltungsrat, 22 Jahre aktiver Tischtennisspieler). Das neue Vorstandsteam setzt sich zusammen aus Petra Hamm, Rüdiger Aschekowski und Ralf Strähle, neue Schriftführerin ist Elke Aschekowski, Kassiererin bleibt Heidrun Großschopf, Pressewart Ralf Kau. In den Verwaltungsrat gewählt wurden Katja Wagenblaß, Marion Egenlauf, Harald Bordt, Uwe Benz, Olaf Schaa, Helga Groß und Aaron Fuchs.

(Rudi Kramer, Geiersbergstr. 7, 69242 Mühlhausen)

 

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